Liebe Kunden,

viele Faktoren sind wichtig für das Gedeihen einer so komplex verwobenen landwirtschaftlichen Gemeinschaft wie unserer. So sinnieren wir hier immer mal wieder über unsere in ethisch-moralischer Hinsicht idealen Vorstellungen von einer guten bäuerlichen Landwirtschaft. Wir wollen uns beispielsweise unsere Tiere durchaus zunutze machen, dabei aber ihre Würde erhalten und wertschätzend mit ihnen umgehen. Dadurch geben uns die Tiere viel mehr, als nur das Fleisch und ihre Milch, die vielleicht aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht Zweck eines Unternehmens sind. Das Mehr an Zeit, körperlicher und geistiger Arbeit und Abstimmung mit den vielen Teilen, die zum Gelingen des Hofes beitragen, entlohnen uns unsere Tiere mit ihren Freudensprüngen, unsere Pflanzen mit ihrer starken Individualität und unsere Kunden mit ihrer wohlgesonnenen Bindung an uns. Davon können wir uns zwar keinen Porsche kaufen, aber das ist ja vielleicht auch Unsinn.

Stattdessen haben wir uns ja – um einen kleinen Baustein zu nennen – vor nicht allzu langer Zeit von Herzen dazu entschlossen, die hier geborenen Kälber nicht mehr lebend in anonyme Hände zu geben, sondern sie hier kuhgebunden aufzuziehen und die Anzahl der Milchkühe – zugunsten der Haltung der Nachkommen – zu senken. Aus wirtschaftlicher Sicht ein Fauxpas, einen nicht unerheblichen Teil der im Vergleich lukrativeren Milch und der veredelten Produkte daraus für die Erzeugung des etwa kostendeckend absetzbaren Fleisches aufzugeben.

Puh, was tun? Das beste wird vermutlich sein, sich nicht verunsichern zu lassen, die gelebten Ideale immer wieder zu teilen (denn diese Art der Landwirtschaft ist es ja, was sich unsere Kunden und Freunde des Hofes wünschen) und stets am Ball zu bleiben, um Wertschätzung auf allen Ebenen vom Boden, über die Pflanze und das Tier bis hin zum Menschen zu erreichen. Wie erquickend ist es doch zu sehen, dass wir als vielfältiger, biologisch-dynamisch wirtschaftender Betrieb – mitsamt all den Menschen, die sich uns durch ihr Engagement, ihre Tatkraft und ihre Kaufentscheidungen anschließen – hinsichtlich der erbrachten Umweltleistungen und der Umsetzung ethisch-moralischer Werte nicht unerheblich zur Verwirklichung des Traums von einer besseren Welt beitragen. So sagte uns kürzlich ein Berater zum Abschluss seiner ökonomische Betrachtung unseres Gesamtbetriebes, man könne die Bücher auch mal zuklappen, sich an dem freuen, was man tut und das gute Gefühl genießen.

Herzliche Grüße

Anna Jahn