Liebe Kunden,
die Bruderhahn Initiative hat sich in 2012 gegründet,

um dem Töten der männlichen Küken nach dem Schlüpfen ein Ende zu bereiten. Seit dem Start der Initiative werden die männlichen Küken der beteiligten Legehennenbetriebe aufgezogen und nach 16-20 Wochen geschlachtet und vermarktet. Ziel ist mittelfristig, dass die Biohenne genügend Eier legt und sich der Hahn dazu gut mästen lässt.
Diese Entwicklung und die alarmierte Öffentlichkeit setzte die Politik unter Druck. In der Folge wurde der Fokus der politisch Verantwortlichen weniger auf effektive Züchtungen von Zweinutzungsrassen gelegt, sondern die Forschung unterstützt, die sogenannte In-Ovo-Selektion zu schnellen Lösungen bringt. In-Ovo-Selektion bedeutet, dass die angebrüteten Eier mit männlichen Küken aussortiert und anschließend vernichtet werden. Lange galt diese Forschung erst in ca. 5-10 Jahren als marktreif. Doch nun ging die Entwicklung schneller voran und die marktbestimmende REWE-Group stellt zusammen mit dem Technologie-Unternehmen SELEGGT ein Verfahren vor, wo die Geschlechterbestimmung im Ei am 9. Tag des Brütens, bevor sie am 21. Tag schlüpfen, möglich ist. Diese Eier sind laut Rewe ab sofort in ausgewählten Märkten und bis Ende 2019 in allen Rewe und Penny Filialen zu finden. Die Kennzeichnung ist klar und einfach, ein gelbes Herz mit der Inschrift „Ohne Kükentöten“ signalisiert, dass das Küken nicht getötet wurde. Fakt ist aber, dass es im Ei getötet wurde. Selbst wenn es irgendwann am 3. Tag möglich ist, es ändert nichts am System. Auf die eigentliche Selektionsmethode bei den Respeggt Eiern wird nur auf der Homepage hingewiesen.
Wissenschaftlich ist nachgewiesen, dass spätestens am 7. Tag bei dem Embryo ein Schmerzempfinden nachweisbar ist und Fotos belegen, dass der Embryo bereits als Küken zu erkennen ist. Das bedeutet also keine Vermeidung des Kükentötens, sondern das Töten des Kükens im Ei. Offen bleibt an der Stelle auch wie diese aussortierten angebrüteten Eier fachgerecht vernichtet werden sollen und was mit der „Masse“ anschließend passieren soll. Das ist ethisch und moralisch nicht tragbar. Wir und die Bruderhahn Initiative lehnen die Selektionsmethode ab!
Die In-Ovo-Methode ändert nichts an den bestehenden Monopol-Strukturen, die es in der Geflügelzüchtung weltweit gibt. Im Gegenteil, die Geschlechtsbestimmung im Ei festigt bestehende Strukturen noch mehr, die ökologischen Geflügelhalter und Brütereien würden in weitere Abhängigkeiten der Agrarindustrie geraten. Nahezu 100% der im Öko-Landbau eingesetzten Hennen stammen aus großen Zuchtfirmen. Erst seit den Zuchtbestrebungen der ökologischen Geflügelzucht, wird dem etwas entgegengesetzt.
Diese Züchtung muss weiter voran gehen. Diese Hennen sind keine Turbo-Eierlegerinnen, etwa 20% weniger als die übliche Legeleistung ist zu erwarten. Die Tests in der Praxis laufen gut. Öko-Geflügelhalter sind aufgefordert, sich an den Erprobungen der Hennen und Hähne zu beteiligen.
Konsumenten von Premium-Bioprodukten wird so zukünftig eine ganzheitliche Alternative angeboten werden können, allerdings sicher nicht zu den bislang üblichen Preisen für Bio-Eier. Es wird zukünftig an der Ladenkasse entschieden werden, ob einem das Tierwohl und die Unabhängigkeit von Agrarkonzernen wirklich ein paar Cent pro Ei mehr wert ist.
Für die Hofgemeinschaft
Henning Jahn