Liebe Kunden,
das hat man davon, wenn man den Kundenbrief vor dem Ende der Woche schreibt

: er ist einfach nicht mehr aktuell ... hatte ich es letzte Woche von dem warmen schneelosen Winter, hat mich das Wetter gleich Lügen gestraft - schreibe ich jetzt über den Frost, schwitzen Sie bestimmt, wenn Sie das hier lesen, schon wieder. Ich müsste also immer erst auf den letzten Drücker schreiben, dann bestünde zumindest die Chance auf ein bisschen Aktualität.
Was ich natürlich brandaktuell letzte Woche hätte einbringen können, wäre ein Bericht von der "Wir haben es satt"- Demo in Berlin, bei denen einige vom Hof waren. Die kamen aber erst am Sonntag wieder und das wäre wohl etwas knapp in den Druck gegangen, oder ich hätte vorneweg was spekulieren müssen, also komme ich lieber eine Woche zu spät, dafür aber mit authentischen Informationen aus erster Hand: Wir waren so viele wie noch nie: unter den etwa 35000 Demonstranten sind 171 Bäuerinnen und Bauern mit ihren Traktoren aus allen Himmelsrichtungen nach Berlin gekommen, um sich für eine bäuerliche und ökologischere Landwirtschaft zu einzusetzen. Am Vormittag übergaben sie eine Protestnote an die über 70 Agrarminister aus aller Welt, um bäuerlicher Arbeit einen höheren Stellenwert bei den Politikern zukommen zu lassen. Nicht zuletzt deswegen fordern wir den Umbau der Landwirtschaft - hier und weltweit! Wir sind die breite Bewegung für Klimagerechtigkeit, für artgerechte Tierhaltung, für gerechten Handel, für viele Bauernhöfe, für gute Landwirtschaft und gutes Essen für alle. Frau Klöckner, unsere Landwirtschaftsministerin, soll endlich auch beginnen die Interesse der Landwirte und nicht nur der Agrarindustie zu vertreten.
2019 entscheidet die Bundesregierung bei der EU-Agrarreform maßgeblich mit, welche Landwirtschaft die EU Jahr für Jahr mit 60 Milliarden Euro unterstützt. Nämlich: Wer viel Land besitzt, bekommt viel Geld.
Bei den Verhandlungen in Brüssel muss sich die Bundesregierung an die Seite der Bäuerinnen und Bauern stellen, die Tiere artgerecht halten, insektenfreundliche Landschaften schaffen und gutes Essen herstellen. Deswegen schlugen wir Alarm für die Agrarwende!
Bisher lässt die Politik die Höfe im Stich. Über 100.000 Betriebe mussten in Deuschland in den letzten 10 Jahren dichtmachen. Gleichzeitig reißen sich Investoren mit EU-Subventionen immer mehr Land unter den Nagel. Die fatalen Folgen: Höfesterben und Monokulturen, Pestizideinsatz, Megaställe und Antibiotikaresistenzen. Wir wünschen uns ein Ende der Subventionen an Agrarwüsten, Tierfabriken und Großgrundbesitz. Dann bekommen wir kleinen Erzeuger auch eine Chance gegen die Agrarkonzerne. Bisher haben wir nur einen Trumpf und der sind Sie. Je mehr Sie von uns anstatt von Supermärkten oder Discountern kaufen, umso mehr entziehen Sie den Großkonzernen die Macht.
Für die Hofgemeinschaft
Henning Jahn