Liebe Kunden und Freunde des Hofes,

momentan wird das Thema Milch und Milchprodukte, mit allem was dazu gehört, heiß diskutiert. Sie als Verbraucher stellen sich selbst und uns Bauern vermehrt die Frage nach der Haltung und Aufzucht unserer Kälber, die Frage nach dem Verbleib der Kälber, die nicht irgendwann mal in die Fußstapfen ihrer Mütter treten und uns als Milchkuh nützlich sind und nicht zuletzt die Frage nach Transportwegen, Schlachtung und Fleischqualität. Knackige und weitgreifende Fragen, um die es da geht. Wir beschäftigen uns ja nun schon eine ganze Weile mit genau damit und tasten uns nach und nach an eine ethisch und ideell darstellbare Antwort auf all die genannten Fragen heran. Auch die bäuerliche Gesellschaft von Demeter im Norden wälzt diese Themen derzeit ebenfalls und verfolgt damit das Anliegen entlang der gesamten Prozesskette der Fleischerzeugung (Genetik, Aufzucht, Haltung, Schlachtung, Reifung etc.) zu ganzheitlichen und ethisch wertvollen Lösungen für die Kälber/Rinder aus Milchviehhaltung zu kommen. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit Bauern, Vermarktern, Fleischern und weiteren Experten, die gute Impulse zu genau diesen Themen geben können.

Im letzten Jahresbrief unseres Hofes veröffentlichte ich einen Beitrag mit dem etwas provokanten Titel „Da klebt ja Fleisch an der Milch“. Dies versuchte ich mit Zahlen zu untermauern, was mir im Nachhinein betrachtet leider nicht besonders präzise gelang. Allerdings hoffe ich, ich konnte herausstellen, um was es mir eigentlich geht. Nämlich genau um das, was der Titel ausdrückt: Keine Milch ohne Fleisch! Da gilt es Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung durch uns Bauern, die Verarbeitung, den Handel. Aber auch die Verbraucher können hier einen entscheidenden Beitrag leisten.

Ein sehr interessanter und mit fundierten Zahlen untermauerter Bericht zu genau diesem Thema ist kürzlich in der Fachzeitschrift „Ökologie und Landbau“ erschienen und kann bei Interesse unter dem Titel „Milch und Fleisch in den Einkaufskorb“ auf der Webseite der Ökomodellregionen Bayern nachgelesen werden.

Nicht nur dem Leben des Tieres gilt unser Interesse, sondern auch hinsichtlich der Schlachtung werden sich derzeit einige Gedanken über alternative Methoden durch innovative Schlachtsysteme gemacht. Denn sobald es einen Transportweg zum Ort der Schlachtung gibt, ist dies immer in gewisser Weise belastend für das Tier. Und das ist zum einen nicht schön für ein Lebewesen und zum anderen wäre die Qualität des Fleisches ohne Stress und dessen physischen Folgen vermutlich noch besser. Zwar tun wir viel dafür es unseren Tieren auch auf dem letzten Weg so angenehm wie möglich zu machen, doch trotzdem ist es einfach sehr ungewohnt für Herdentiere von dieser getrennt zu werden und auf einem Anhänger durch die Lande zu kurven. Eine stressfreie Methode wäre die sogenannte Hoftötung mit teilmobiler Lösung, bei der das Tier in gewohnter Umgebung getötet wird und danach zum Ausnehmen, Reifen und Zerlegen zum Metzger gebracht wird. Bisher gab es hier besonders für Tiere, die nicht ganzjährig, quasi wild im Freien gehalten werden, riesige rechtliche Hemmnisse. Doch das Thema der Schlachtung im Haltungsbetrieb hat brandaktuell auf EU-Ebene eine Novellierung erfahren. Jetzt steht noch die Anpassung dessen auf Bundes- und Ländebene und die Umsetzung in den Veterinärämtern aus. Es ist und bleibt spannend und ich bleibe dran…

Mit herzlichen Grüßen

für die Hofgemeinschaft Anna Jahn